Diese legendäre Busch-Geschichte erschien 1961 in auto, motor und sport im Rahmen der von Busch kreierten Serie „Für Männer, die Pfeife rauchen“.

Noch heute gibt es Busch-Fans, die diese Geschichte fehlerfrei Wort für Wort zitieren.

Die „geschrubbte Flunder“, der Jaguar E-type also, ist im Hauptgebäude des Museums zu sehen und zieht schon vom Eingang her sehnsüchtige Männerblicke auf sich.

Story of

Fritz B. Busch

Jaguar E

Jaguar E Type – „Whisky pur“ oder „Die Flunder“.

J

AGUAR E-

Unter dem Kapitel „Pflege“ wird in der Betriebsanleitung darauf hingewiesen, dass die Teppiche gebürstet, aber auch mit dem Staubsauger gereinigt werden können. Und im Prospekt steht schlicht: “Ein idealer Wagen für Sport und Reise“. Ein Satz, so abgestanden wie das Öl in der Motorwanne eines stillgelegten Vorkriegswagens.

Blättert man in der Betriebsanleitung, so findet man eine Anweisung über „das Ölen mit dem Kännchen“ – darin sind zehn Teile aufgeführt, die man alle 8000 Kilometer mit dem Kännchen ölen sollte.

Einfach niedlich, nicht? Und wenn man dann noch liest, dass er bei 80 km/h nur mit 2200/min dreht, dann möchte man am liebsten die schnelle Sportmütze zu Hause lassen. Schauen wir nun mal nach, welche Reifendrücke er braucht, denn es macht einen albernen Eindruck, wenn man dieserhalb erst an der Tankstelle zu blättern beginnt. Da haben wir ihn: “Reifendruck: Für normale Fahrgeschwindigkeiten bis 210 km/h vorn 1,6 und hinten 1,75 atü. Ein Druckfehler ist das nicht.

Ich klappe das Heft zu und entschließe mich für „normale Fahrgeschwindigkeit bis 210“. Was die Reifen haben müssen, wenn man mal schnell fahren möchte, das will ich gar nicht wissen. Ich bin verheiratet, habe ein Kind und allerlei Zukunftspläne... 

Ich gehe erst mal um das Auto rum. Das dauert seine Zeit, denn es ist ein langer Weg. Das Auto ist genau 175,38 Inches lang und keinen Inch kürzer. Dabei geht die halbe Incherei für den Motor drauf; es ist ein Motor mit zwei Notsitzen.

Und das Auto ist offen, denn es steht vor meiner Tür. Wir haben schon Ende Oktober, aber ich singe Ram-ta-ta-tam, das ist meine Lieblingsmelodie. Das Auto ist silbergrau und hat rote Lederpolster und natürlich Speichenräder. Die Lollo könnte zwei Fuß neben ihm im Bikini auf dem Zaun sitzen, ich würde sie nicht bemerken.

Das Lenkrad ist aus Holz, und die breiten Speichen sind mehrfach durchbohrt. Es sieht aus, als hätte einer Fünfmarkstücke rausgestanzt und Groschen und Pfennige. Hinter solchen Lenkrädern sitzt man nicht alle Tage, sie fühlen sich an wie ein Maimorgen am Lago Maggiore.   

Am Ende des Autos ist eine Klappe. Wenn man sie aufmacht, geschieht noch weniger, als wenn man etwa eine Keksdose öffnet. Unter diesem Deckel hat ein Koffer erst dann Platz, nachdem man ihn durch eine Dampfmangel gedreht hat. Aber Castrol-Dosen gehen rein, genug, um das Auto für die Reise zu benutzen. Und sie sind auch drin, zehn handliche Literdosen und ein Fünf-Liter-Kanister. Das ist beruhigend.   

Dieses Exemplar ist eine sogenannte „geschrubbte Flunder“. Eine solche entsteht, wenn man seinen Jaguar dreißigtausend Kilometer lang an Hinz und Kunz verpumpt. Hinz und Kunz waren in diesem Fall Händler, Kunden und Tester. Aus der Reihenfolge dieser Aufzählung wollen Sie bitte eine panische Steigerung der Gefahren entnehmen, denen das Auto bereits ausgesetzt war.  Ich hätte auch eine frische Flunder kriegen können  - aber ich brauchte eine für Männer, die Pfeife rauchen. So griff ich freudig zu der geschrubbten.

Sie roch abenteuerlich. Nicht nach Flunder, sondern nach Ölsardine, denn sie verbrauchte im Stand einen halben Liter Castrol pro Nacht (im Winter mehr, weil die Nächte dann länger sind).

Ich öffne also erst mal die Haube. Das ist ganz einfach: Man angelt sich aus dem Cockpit einen kräftigen Vierkantschlüssel (er ist am Kardantunnel aufgehängt) und steckt ihn in ein passendes Loch an der rechten oder linken Wagenseite. Dann dreht man ihn um und begibt sich auf  die andere Wagenseite, wobei es ziemlich egal ist, ob man den Weg hinten oder vorn rum wählt – man spart im Höchstfalle zwei Minuten.

Dann steckt man den Vierkant drüben in das Loch und dreht ihn abermals rum. Nun hebt man das Auto kräftig an. Das, was stehen bleibt, ist das Chassis, was hochgeht, ist die Karosserie. Wenn beides hochkommt, haben Sie einen Fehler gemacht. Sie müssen nämlich erst noch eine Zunge lösen, die in der Mitte vor der Windschutzscheibe am Haubenrand auftaucht. Wenn die Haube dann offen ist (es ist eigentlich gar keine, sondern das halbe Auto), dann muss Ihr Anzug zur Reinigung. Die Zunge erreichen Sie nämlich nur durch eine innige Vermählung Ihres Körpers mit der Karosserie.  

Sollten Sie mit diesem Auto einmal ernstlich an einem Wettbewerb teilnehmen, und Sie müssen mittendrin mal unter die Haube, dann ist – wenn Sie sie wieder geschlossen haben – das Rennen bereits gelaufen.

Jetzt ist sie erst mal offen, und ich werde für meine Mühe fürstlich belohnt. Das Auto hat Striptease gemacht, es hat fast nichts mehr an, und seine edelsten Teile liegen einladend vor mir. Die Spucke gerinnt in den Adern.

Hauteng muss die Haube über den Motor geschneidert sein, denn ich bezweifle nun, dass ich den Deckel je wieder zukriege. Der Motor quillt mir förmlich entgegen, die Ansaugluft wird in einem Gehäuse von der natürlichen Größe eines Marmeladeneimers gefiltert. Alles ist von gewaltigen Dimensionen, man könnte einen Lastzug damit bewegen. Vor meinen Augen scharren 265 ungeduldige SAE-Pferde im Ölsumpf, und ein Drehmoment von 36 mkg fletscht förmlich die Zähne.

Dass ich mir aber auch immer solche Sachen einbrocken muss! Meine Hand, die nach dem Ölstab greift, vibriert verhalten.

Ich verspreche ihr, heute nicht über „normale Geschwindigkeit bis 210“ hinauszugehen. Dann kippe ich Öl nach und mache ein harmloses Gesicht dabei, denn es haben sich bereits Leute eingefunden. In dieser Gegend findet man noch nicht allzu viele Fernsehantennen, und die Leute sind für Dinge, die sich wirklich abspielen, noch empfänglich und dankbar. 

Kinder lesen den Tacho ab und verkünden in jenem Tonfall, in dem man früher an Kaisers Geburtstag zu jubeln pflegte, dass er bis zweihundertsechzig geht. Der Herr mit der randlosen Brille, der den Jubel auf „hundertsechzig“ zu berichtigen versucht, setzt sich nicht durch, ein Knabe mit hochrotem Kopf belehrt ihn brüllend eines Besseren. 

Es wird nun offensichtlich, dass das Publikum einiges von mir erwartet. Meine Handflächen beschlagen, ich greife zu den alten Fahrerhandschuhen, aus denen sich notfalls ein mittlerer Ölwechsel herauswringen ließe, und streife sie über. Dann lasse ich die Karosserie wieder auf das Fahrgestell herab und mache mich mit dem Vierkantschlüssel auf en Weg.

Ich habe das Gefühl, dass mir der Herr mit der randlosen Brille eine Lebensversicherung andrehen will, aber die Jungen boxen ihn stets wieder in die hinteren Reihen. Die besten Plätze sind hoffnungslos vergriffen. Ich möchte am liebsten wieder reingehen, mich auf den Balkon setzen und ein paar Kekse knabbern, aber ich darf jetzt nicht kneifen. Die Bengels würden es meiner Tochter erzählen...

„Pass auf beim Anfahren!“ rede ich mir ins Gewissen. „Der wischt dir hinten weg wie der Schwanz eines wütenden Alligators!“ Es gibt Autos, die schleudern im Stand, so wie es Pferde gibt, die vor lauter Ungeduld vorne hochgehen. Das hat ein Pferd einmal mit mir gemacht – aber niemand redet da von Sicherheitsgurten...

„Das ist ne Bombe!“ sagt ein Junge, der beim Rollerfahren immer durch die Zähne heult wie ein 250er Goggomobil.

Ich sage: “Ja, man kann die Teppiche sogar mit der Bürste absaugen.“ Ich glaube, meine Nerven schleifen bereits an der Bordsteinkante. Wenn ich mal ein Rennen fahre, dann muss das unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfinden – oder ich sinke bereits vom Startschuss getroffen zusammen. Ruft mich denn niemand ans Telefon?

Wenn ich jetzt ein Kännchen hätte, ich würde alles ölen, was ein Loch hat, und die Menge würde sich dann womöglich zerstreuen. Aber ich habe kein Kännchen.

Was ich plötzlich in der Hand halte, das ist der Zündschlüssel, ich werfe ihn hoch, aber er kommt prompt zurück. Das mag nun ausgesehen haben, als ob Eddie Constantin die Pistole noch einmal um den Zeigefinger wirbelt, ehe er abdrückt. Und genau das hatte ich nicht gewollt.

Durch die Leute geht jenes unvermittelte Schweigen, wie man es vom Theater her kennt, wenn das Licht verlischt  und der Vorhang zu zittern beginnt.

Ich kann es dem Vorhang nachfühlen...

Die Detonation, die von den Leuten beim Druck auf den Starterknopf mit verstopften Ohren erwartet wurde, bleibt aus. Der Motor dreht ganz brav mit 650 – aber auch das Pferd hat mich damals mit der einschläfernden Naivität eines alten Ohrensessels angeguckt, ehe es vorne hochging. Ich trete vorsichtshalber mal kurz drauf, und die Leute flüchten spontan hinter die Strohballen. Das stärkt mein Selbstbewusstsein erheblich.

Gang rein und ab! Ich blicke über eine lange, silbrig glänzende Schnauze auf den schwarzen Asphalt und habe beim ersten zornigen Aufwiehern der Pferde die geschrubbte Flunder im Blut. Wenn jetzt noch jemand zittert, dann kann es nur einer aus dem Publikum sein.

Der E beginnt, die Straße aufzufressen, und es erweist sich wieder einmal als segensreich, dass ich meine Wohnung mit Bedacht gewählt habe. Am Ende des ersten Ganges hört nämlich auch der Ort auf, ich gehe in den zweiten, der sich ein wenig sträubt, und nehme die ersten Kurven mit neunzig, um dann in den dritten zu gehen, der bis hundertachtzig gut sein soll. Nach sieben Kilometern bin ich bereits auf der Autobahn und endlich im vierten. Er revanchiert sich schlagartig mit 160 bei 4200.

Ho-lah! Erst mal langsam kommen lassen, das Fahrgefühl abtasten, bremsen, beschleunigen, ein paar Lenkausschläge. Oh, es ist ein Gefühl!

Der Wagen ist an meinem Hosenboden angenietet, so fest wie ich sitze, liegt er. Ich fahre nicht Auto, sondern mein Hintern hat Räder. Ich denke, und das Auto handelt so, als wäre das Auto meine Beine. Diesen Satz müssen Sie notfalls noch mal lesen. Verzeihen Sie mir diesen Stil, aber ich habe nur ihn.

Nun fahre ich mit „normaler Geschwindigkeit“, der Drehzahlmesser zeigt auf fünftausend, die Tachonadel auf hundertneunzig. Bis zweihundertzehn könnte ich ja gehen mit meiner Luft in den Reifen, aber ich begnüge mich mit zweihundert. Es ist nichts!

Man muss nur rechtzeitig den Mützenschild nach hinten drehen, so wie es unsere Väter schon bei siebzig taten. Die Ecken des hochgeschlagenen Kragens versetzen mir fröhliche Ohrfeigen – das ist alles. Nichts sonst.

Ich habe nicht das Gefühl, schnell zu sein – ich habe genau dieses Gefühl: Ich wundere mich darüber, dass die anderen heute so langsam fahren. Ein 400er Lloyd, der mit allem, was drin ist, einem fernen Ziel entgegenrobbt, scheint langsam rückwärts zu rollen.

Und der E tut so, als absolviere er einen munteren Tag, mehr nicht. Ich habe die Kurbelfenster oben, das Verdeck unten und die Heizung auf „Volle Kraft voraus!“ So genieße ich Ende Oktober eine sommerliche Fahrt.

„Ram-ta-ta-tam“ möchte man singen, und man würde es sogar hören, denn der Wagen brüllt nicht, er zersägt die Luft, und nur das ist sein Geräusch.

Immer, wenn man ein Gefühl zum erstenmal hat, ist es am schönsten. Aber es kommt selten vor, denn so viele Gefühle gibt es gar nicht. Nun habe ich auch dieses hinter mir. Es ist das zweitschönste.

Nicht wegen der zweihundert, das sind nur zehn mehr als neulich - sondern wegen des besonderen Charmes, den diese zweihundert an sich haben. Das ist kein Ritt auf einer unrunden Kanonenkugel, das ist, als würde man wie ein Faden auf einer Wirkmaschine abgespult. Ich möchte ein endloser Faden sein.

Aber dieser und jener macht mir einen Knoten rein. Da setzt sich ein Amerikaner, den ein Belgier fährt, mit 160 vor meine Nase und hält sich für den schnellsten Mann der Welt. Nur ein Trick bringt mich an ihm vorbei: Ich falle ab auf 150 und gehe, scheinbar resignierend, nach rechts, "Aha!" mag er denken, "der gibt auf!". Und er begibt sich befriedigt ebenfalls zur Seite. Und nun wird aus dem E wirklich ein Jaguar, wie eine Raubkatze schnellt er vor und faucht von hundertfünfzig auf hundertneunzig hoch, dass es nur so eine Lust ist.

36 mkg haben auf rund 1150 kg Wagengewicht doch allerhand Einfluss, und ein Leistungsgewicht von rund 4,3 kg pro PS muss man letztlich im Gaspedal - und in der Magengegend - spüren. Beim Beschleunigen gibt der Magen Fahrtstuhl-Alarm! Und es kostet nichts als ein Lächeln.

Die Nerven ruhen einsatzbereit auf Watte, und wenn man sie dann wirklich braucht, sind sie knackfrisch.

Nicht das Fahren beansprucht sie, sondern nur diese und jene Situation.

Denn keiner fährt für sich allein!

Eine leichtere Limousine, die speziell für die Partie "Blatt im Herbstwind" konstruiert zu sein scheint, wedelt über den Strich. Ein Lastzugfahrer vermutet in dem aufkommenden silbrigen Fisch nicht mehr als einen Sonnenreflex und schwenkt auf die Überholspur. Ein MG-Fahrer will mir schnell noch entkommen und begibt sich ebenfalls auf die Linke, um an allem übrigen vorbeizustechen. Er ahnt nicht, dass es müde Spatenstiche sind, die er da tut.

Ich stelle überhaupt fest, dass man den aufkommenden Jaguar oft unterschätzt. Vielleicht sieht er von weitem wie ein Karmann-Ghia aus? Und doch, wenn er erstmal den Rückspiegel ausfüllt, gibt es spontane Seitensprünge. er sollte einen roten Strich bekommen, und ein roter Strich sollte sich als schnelles Zeichen einbürgern.

Man belästigt ja niemanden, man bittet ja nur um vorschriftsmäßiges Fahren.

Steif weht der Wind das Herbstlaub von links über die Bahn, die Bäumchen neigen sich wie Angelruten und die bewussten Limousinen zerren an den Nerven ihrer Fahrer, die den Ehrgeiz haben mögen, wenigstens hundert oder neunzig zu halten.

Nur um den Jaguar herum ist völlige Windstille, oder?

Er spult den Faden ab, unbeirrt.

Man sitzt ganz tief in ihm und überschaut ihn doch gut, denn er ist selbst zum Drauftreten niedrig. Mit dem ganz langen Arm lässt er sich nicht fahren, nur mit dem ziemlich langen. Unten an den Pedalen stimmt etwas nicht, denn der Fuß trifft das Bremspedal nie voll, sondern immer schräg rechts. Dass die Bremswirkung nicht darunter leidet, stimmt zwar, aber der Bediengenuss wird dadurch getrübt. Vielleicht ist es Gewohnheit, so wie das Schalten. Zwischen dem ersten und dem zweiten muss man eine Pause einlegen, eine halbe Sekunde, sonst kracht es.

Eine Gattungskrankheit der Flunder? Aber sie ist so herrlich schnell, sie beschleunigt so mühelos wie ein junger Hecht.

Dennoch wäre  es unfair gewesen, die geschrubbte Flundergenau auszustoppen. Unfair gegen den Jaguar E und unfair gegen meine Familie. Denn die Flunder hatte ihre Tücken. In voller Fahrt machte sie Anstalten, sich zu entblößen, indem sich der Haubenverschluss von selber löste oder die eine Tür, die nur mit Gewalt zu schließen war, sich freiwillig öffnete. Und am Ende einer Autobahnfahrt (Schnitt 175) waren links vorn die Profilrillen fast bis zur Leinwand durchgebrochen. Merke: Eine solche Flunder will zwar geschrubbt, aber mehr noch gepflegt und überwacht werden!

Denn 265 PS, wenn auch nur SAE, nagen fortgesetzt am Lebensnerv eines solchen Autos - wenn man sie nagen lässt.

Man sollte sie weise nutzen, es geht ganz leicht.

Man kann dieses Auto ohne viel Fingerspitzengefühl (außer beim Start, wenn sich die Pferde auf die Hinterräder stürzen) ganz zahm fahren. Im Stadtverkehr ist der IV. Gang noch für49 km/h gut, im III. lässt sich so gut wie alles machen, und wenn man will, dann fährt man ganz leise. Auf Wunsch brüllt die Flunder aber auf, als ob sie am Spieß hinge. Sie liegt so gut, und zwar in jeder Art von Kurven, dass es sich lohnt, dafür ein neues Wort zu prägen: Sie liegt wie eine Flunder!

Man fühlt sich in ihr so sicher wie in (fast) keiner Limousine. Sie beweist dass Reserven alles sind - PS-Reserven, Bremsreserven, Fahrwerksreserven ergeben maximale Sicherheit. Man muss ja nicht zweihundert fahren oder mehr, man soll getrost einiges drinn lassen, was ohnehin nicht mehr auf die Straße passt, aber man wird unablässig von Befriedigung erfüllt, dass noch so viel drinn ist.

Nicht aus Snobismus, sondern mit dem Gefühl einer Hausfrau, die rechtzeitig und reichlich eingekellert hat.

Dieses Auto ist mit einer Flasche Whisky vergleichbar, mit der man einen Mann alleine lässt. Er muss entweder die Größe haben, sich zu beherrschen, sie also nicht hinunterzustürzen – oder die Routine und die Reife, sie wirklich verkraften zu können. Ein Greenhorn söffe sich einen Katzenjammer an.

Der Jaguar E ist im Grunde der Möglichkeiten, die in ihm schlummern, nicht führer-, sondern waffenscheinpflichtig. Denn wenn man es auch nicht besonders spürt, daß man etwa hundertneunzig fährt - vergessen darf man es dennoch in keiner einzigen Zehntelsekunde!

Das Auto war silbergrau, hatte blanke Speichenräder und rote Lederpolster, einen kurzen, steifen Schaltknüppel auf dem hohen Getriebetunnel, neben dem man sich fast auf den Boden hockt, ein blindflugtaugliches Armaturenbrett und eine teleskopartig verstellbare Lenksäule.

Und ein Lenkrad aus Holz, das sich so anfühlt, wie ein Maimorgen am Lago Maggiore - so nämlich, dass man weiß, dass noch alles drinn ist in dem Tag, der vor einem liegt. Es war ein Auto, das man sogar noch mit dem Kännchen ölen durfte, ein Auto, das ich nur widerwillig zurückgab. Die Leute haben sich umgedreht, wo immer es auch fuhr oder stand, und die Mädchen an den Fußgänger-Überwegen haben mit Tricks gearbeitet, die mir den Schweiß aus den Poren trieben....

TYPE

Das war schon ein Auto!

 

Daten & Fakten

Der Jaguar E Type wurde von 1961 – 1975 gebaut. Insgesamt wurden 72 507 Exemplare gebaut. 6-Zylinder Motor, 3781 ccm Hubraum, 269 SAE-PS bei 5500 U/min, Höchstgeschwindigkeit ca. 240 km/h, Verbrauch ca. 15 l auf 100 km/h.

 

zurück